Die Deckenleuchten dimmen. Bühne, Podium und Leinwand rücken in den Fokus. Die Moderation übernimmt. Es geht los. Den Auftakt macht Christoph Tylla, Geschäftsführer der 5Plus. Er skizziert kompakt, jedoch präzise die aktuelle Rolle von Künstlicher Intelligenz in der Versicherungswirtschaft – zwischen technologischem Fortschritt, operativer Realität und strategischem Potenzial. Er stellt das Programm vor, benennt Schwerpunkte, verweist auf die Beteiligten – und formuliert, was ihm für den weiteren Verlauf besonders wichtig ist: Dialog. Nicht als Format, sondern als Haltung. Die Stimmung ist gut. Die Ausrichtung des Tages klar:

Wo steht Künstliche Intelligenz – insbesondere in der Versicherungswelt?

  • Welche Fortschritte wurden erreicht?
  • Welche Erfahrungen lassen sich teilen?
  • Und vor allem: Was können wir voneinander mitnehmen?

Dann übergibt er an Thomas Renner, Bereichsleiter Digital Business am Fraunhofer IAO. Er steht nicht für Show, sondern für Substanz – und das merkt man vom ersten Satz an. Das Fraunhofer IAO zählt zu den wenigen wissenschaftlichen Einrichtungen, die Digitalisierung nicht allein technisch fassen, sondern als Frage von Struktur, Verantwortung und Zukunftsfähigkeit begreifen.

Ob bei kognitiven Dienstleistungssystemen, KI-Governance oder Plattformarchitekturen – das Institut denkt voraus, ohne den Boden der Praxis zu verlassen. Entsprechend hoch waren die Erwartungen: an den Auftakt, an die Orientierung, an die erste fachliche Setzung dieses Tages.

Renner legt offen, was vielen CIOs noch zu defensiv erscheint:
Nur 6 % der Unternehmen nutzen
ihr Datenpotenzial umfassend.

Die Konsequenz: KI bleibt Stückwerk, wenn die Datenökonomie nicht professionalisiert wird. Mit Blick auf regulatorische Entwicklungen (AI Act, DORA etc.), Open-Source-Initiativen und neue Fraunhofer-Angebote wie FhGenie oder Teuken 7B entsteht ein konkretes Bild: Wer digitale Souveränität will, braucht Datenkompetenz, standardisierte Schnittstellen – und ein strategisches Verständnis dafür, wie man Vertrauen, Automatisierung und Erklärbarkeit in Einklang bringt.

Ein starker Auftakt. Thomas Renner bringt nicht nur Struktur in den Diskurs, sondern auch Haltung – und bekommt dafür, völlig zu Recht, den ersten großen Applaus des Tages. Auch von Seiten von Google und Microsoft ist die Resonanz sichtbar: zustimmendes Nicken, aktives Mitdenken.

Es folgen gezielte Rückfragen, kluge Ergänzungen, der Abgleich mit Erfahrungen aus der Praxis –vor allem vonseiten der Versicherer, wie z. B.: Signal Iduna, DEVK oder AOK, die eigene Use Cases einbringen: offen, pointiert, anschlussfähig.

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Evolution, Esprit – und echte Automatisierung

Die 5Plus hat nicht nur für geistige Nahrung gesorgt. Schnell eine Tasse Kaffee und einen Snack, bevor es weitergeht. Und was folgte war: erstaunlich. Patrick Jermann der Baloise ist der Nächste und falls jemand bei den Anwesenden noch nicht volle Aufmerksamkeit hatte, dann weckte die ausgeklügelte Präsentation des Business Analysten und Mitglied der Direktion der Baloise Versicherung mit schweizerischem Esprit. Zu einer bekannten Melodie jagt er uns in den ersten 30 Sekunden durch 40 tausend Jahre Evolution, von der Keule in den Weltraum, von der Höhlenzeichnung zu High Tech KI.

Das Publikum lacht, staunt – und bleibt dabei. Dann wechselt der Ton. Mit einem humorvollen Beispiel – einer Zahnbürste mit künstlicher Intelligenz – zeigt er, wie differenziert man technologische Innovation heute betrachten sollte. Nicht alles, was smart ist, ist auch sinnvoll.

Die Baloise setzt Large Language Models gezielt für die Fachdatenextraktion im Input Management ein – mit dem Ziel, Dunkelverarbeitung systematisch auszubauen und betriebswirtschaftlich wirksam zu gestalten. Mit über 8.000 Dokumenten täglich und bis zu 70 % Automatisierungsgrad zeigt das Projekt: Automatisierung entfaltet ihre Wirkung dort, wo strukturierte Prozesse, verlässliche Daten und fachlicher Bedarf zusammenkommen.

Das Vorgehen bleibt dabei bewusst modular: Use Cases werden iterativ priorisiert, Fach nah entwickelt und entlang der operativen Realität ausgerollt – mit ersten Erfolgen etwa bei Betrugsindikatoren, Garagenrechnungen und Urkundenerkennung.

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15 Minuten, ein System – und kein Sheldon.

Der nächste Beitrag kommt von Christine Raasch, Sales Managerin für KI-Services bei der DOMCURA AG. Was folgt, ist kein trockener Use Case – sondern ein Auftritt mit Haltung, Humor und Klartext.

Schon der Einstieg bleibt im Kopf: Ein traumhaftes Strandfoto, die Ansage „Wir sind der digitale Assekuradeur von der Ostsee“und der charmante Nachtrag: Das Bild zeigt in Wirklichkeit die Nordsee. Doch genau dieser Ton zieht sich durch den gesamten Vortrag: echt, praxisnah, ohne Überschriftenton. Christine Raasch spricht über Wirkung – nicht in drei Jahren, sondern jetzt. DOMCURA hat mit „KIM“ den ersten vollautonomen KI-Mitarbeitenden in der Schadenbearbeitung etabliert – von der Fotoanalyse über die Dokumentenprüfung bis zur Auszahlung, inklusive empathischer Kommunikation und optionaler Freigabepunkte. Der Ansatz zeigt, wie LLMs (auf Basis von ChatGPT) inhouse entwickelt und gezielt zur Entlastung von Fachkräften eingesetzt werden – mit greifbarem Ergebnis: Minuten nach Schadeneinreichung erfolgt die Erstattung aufs Smartphone.Flankiert wird „KIM“ durch KI-gestützte Telefonie via Parloa und ein zentrales Cockpit für transparente Steuerung – eine Lösung, die Microsoft als Branchen-Benchmark einstuft.

Über die Erfahrungen mit der DOMCURA-KI „Kim“ – und warum es hilfreich ist, sie nicht allwissend zu programmieren. Nicht wie ein Sheldon Cooper im System – sondern wie ein kluger Sachbearbeiter, der seine Aufgabe kennt, kann und zuverlässig löst. Weder überfordert noch unterfordert – sondern im richtigen Maß eingebunden. 

Die Live-Demo, präsentiert von Kollege Lukas Herrmann, macht das greifbar: eine Schadenmeldung, eine Bearbeitung – und 15 Minuten später die Bestätigung der Erstattung. Das Publikum? Überzeugt. Nicht vom Versprechen. Vom Ergebnis. Zwischen Tech Summit und KI-Fachkonferenz: Wir wollten wissen, was Christine Raasch für wirklich relevant hält – und wie sie das Zusammenspiel von Technologie, Praxis und Plattformformaten einordnet.

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Systeme verändern sich nicht. Menschen verändern Systeme.

Der folgende Block verschiebt die Perspektive: Weg von Systemarchitekturen, hin zu dem, was Technologie im Innersten verändert – den Menschen.

KI verändert nicht nur Systeme, sondern das Verhältnis zwischen Mensch und Arbeit. Es geht um neue Rollen, veränderte Logiken, kulturelle Verschiebungen – weit über die Technik hinaus.

Penta|balance – Schwester der 5Plus – begegnet diesem Wandel mit PLAY!: einer Haltung, die Veränderungen und Transformationen erfolgreicher und leichter macht und System Mapping, einem Ansatz, der sichtbar und vereinbaren lässt, mit welchen Interventionen das System behandelt wird.

Was PLAY! (LINK ZU LINKEDIN)!!!!! meint und wie System Mapping funktioniert, erklären Leander Schneider (Transformation Lead) und Benjamin Hipko (Geschäftsführer) der Penta|balance GmbH  steht für “Presence”, “Leaping”, “Adaptiveness” und “Yes, and”,  und Impact, also für Präsenz, Bewegung, Flexibilität und Ko-Kreation. 

Veränderung wird hier nicht als Anforderung gedacht, sondern als gemeinsame Bewegung.

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Pause: Kaffee, Gespräche, Wirkung

Eine Stunde Zeit für gastronomische Highlights – und für das, was eine gute Konferenz im besten Sinne auszeichnet: Gespräche. Locker, konzentriert, mit echtem Interesse. Gäste, die sich austauschen, vernetzen, Rückfragen klären, erste Ideen weiterdenken.

Das Feedback zur Konferenz ist durchweg positiv: zur Atmosphäre, zur Sinnhaftigkeit, zur Umsetzung. Viele nutzen den Augenblick, um kurz Kraft zu schöpfen – und um das Gehörte nicht einfach weiterzutragen, sondern zu verarbeiten.

13 Uhr. Die zweite Hälfte beginnt. Und auch hier zeigt sich: Diese Veranstaltung tickt anders. Trotz dichter Inhalte – volle Aufmerksamkeit, volles Engagement.

Jetzt geht es um Showcases. Um echte Anwendungen, konkrete Erfahrungen, greifbare Wirkung. Die Veranstalter zeigen, was machbar ist – nicht als Präsentation, sondern im Dialog. Sehen, spüren, fragen: Was funktioniert? Was hilft? Was ist bereits im Einsatz?

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5Plus
, Google, Microsoft, Insiders Technologies und DATAHERO zeigen, was heute im Input Management und in der KI-gestützten Sachbearbeitung möglich ist – praktisch, nachvollziehbar, einsatzbereit.

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Von Proof of Concept zu Proof of Value

Die letzte Stunde der Konferenz gehört dem, worum es am Ende wirklich geht: wie aus Tests konkrete Wirkung wird.

Nutzt ihr KI – oder testet ihr nur?Mit dieser Frage eröffnet Christoph Tylla den Abschlussimpuls – und sie trifft den Kern vieler Diskussionen dieses Tages.

Er spricht über eine Branche, in der sich:

über 70 % der Unternehmen intensiv mit KI beschäftigen
doch weniger als 35 % der entwickelten Anwendungen den Weg in die produktive Nutzung finden.

Ein Meer aus Prototypen, überall wird getestet, pilotiert, validiert – doch der Transfer in die Realität bleibt oft aus. Die Ursachen? Tylla benennt sie klar:
fehlende Ownership, mangelnde Skalierbarkeit, Unsicherheit in der Governance, zu wenig Integration in die tatsächlichen Geschäftsprozesse.

Eine seiner Folien bringt es auf den Punkt: „Fokus nicht auf Technologie, sondern auf Wertschöpfung.“

Er stellt den 10-Punkte-Ansatz der 5Plus vor – von „Outcome first“ über „Proof of Value“ bis „Business Ownership“ – und betont: Ohne echte Business-Verantwortung, ohne operatives Produktdenken, ohne skalierungsfähige Setups wird aus KI kein Vorteil, sondern ein Verwaltungsaufwand.

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Der nächste Schritt beginnt jetzt.

Was bleibt, ist eine Einladung. Keine Vorgabe, kein Rezept. Sondern der Impuls, KI nicht nur zu ermöglichen, sondern wirksam zu machen. Mit Haltung, mit Struktur – und mit dem Willen, Wirkung zuzulassen. Die 2. KI-Fachkonferenz war so ein grandioses Ergebnis für alle, dass die dritte bereits in Vorbereitung ist.
Wer Anmerkungen oder Impulse zur Veranstaltung teilen möchte, ist herzlich eingeladen, unser Feedbackformular zu nutzen: ZUM FEEDBACK

Weil der Austausch während der Konferenz gezeigt hat, wie wertvoll das gemeinsame Nachdenken ist – nicht nur auf der Bühne, sondern im Zwischenraum – wird es künftig mehr davon geben. Die 3. KI-Fachkonferenz ist bereits in Vorbereitung. Damit man künftig nicht mehr ein ganzes Jahr warten muss, hat 5Plus ein neues Dialogformat ins Leben gerufen: das „Intelligent Network Breakfast“ – kompakt, quartalsweise, praxisnah.
Mit konkreten KI-Anwendungsfällen, Erfahrungsaustausch und offener Diskussion. 

Das erste Treffen findet am
21. August 2025 von 9:00 bis 11:30 Uhr

statt – virtuell, zugänglich für alle, die dranbleiben wollen.

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